Die Wiege der vier Pilzköpfe steht in Vechta

Oldenburgische Volkszeitung (8. Januar 2022)

Die Liebe zu den Beatles hat die Musiker zusammengebracht: Zur aktuellen Formation gehören die beiden Bandgründer Jo Maximilian (links) und Christian Josef (2. von rechts) sowie Hannes Greinke (2. von links). Hinzu kommen immer wieder Gastmusiker wie Nils Stockmann. Foto: The Quarrymen Beatles

Die Cover-Band „The Quarrymen Beatles“ gehört zu den Gewinnern des „Deutschen Rock Pop Preises 2021″

VON THOMAS SPECKMANN

Vechta. Ihre Wiege steht in Vechta, die Auftritte führen durch das ganze Land und die Songs besitzen Legendenstatus: Die „The Quarrymen Beatles“ haben sich mit den Hits der erfolgreichsten Band der Musikgeschichte einen Namen gemacht. Nun setzt die angesagte Cover-Band der Beatles ein weiteres Ausrufezeichen. Sie gehört zu den Gewinnern des „Deutschen Rock Pop Preises 2021″.
Bandleader Christian Josef wäre mit seinen Kollegen gerne zur Preisverleihung ins nordrheinwestfälische Siegen gereist, aber die Veranstaltung muss wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Stattdessen erfolgt die Ehrung der Preisträger aus unterschiedlichsten musikalischen Genres auf dem Postweg, was die Leistung der Künstler keinesfalls schmälern soll. Die Beatles-Fans haben zum ersten Mal an dem Wettbewerb teilgenommen. Dass bei ihrer Bewerbung mit Tonträger, Bildmaterial und Vita gleich ein 1. Platz in der Kategorie „Beste Cover/Revival Band“ herausspringt, sorgt für überschwängliche Freude. „Das ist wirklich eine Überraschung, damit haben wir nicht gerechnet. Schließlich gibt es Bands wie Sand am Meer“, erzählt Christian Josef.
In dem Moment des Erfolgs blickt der heute 41-Jährige gerne auf die Anfänge im Jahr 2004 zurück. In seiner Freizeit stöbert der gelernte Einzelhandelskaufmann damals wie so oft in einem Musikladen in Vechta. Dabei entdeckt er einen interessanten Aushang. Wörtlicher Inhalt: „Ich, Jo Maximilian, möchte eine Beatles-Coverband gründen. Singe wie John Lennon! Suche Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr.
Schlagzeuger Christian Josef zögert nicht lang. Er greift zum Telefon, wählt die Nummer von Jo Maximilian und sagt lächelnd: „Hi John, hier ist Ringo!“ Die Chemie stimmt auf Anhieb. Bei einem ersten Treffen im „Stadtgespräch“ schmieden die beiden Vechtaer gleich Pläne für die Band. Fehlen nur noch zwei weitere Musiker, um das Quartett zu vervollständigen. Dies geschieht durch Thomas Harwarth und Gero Heschl.
Die vier „Pilzköpfe“ treffen sich fortan regelmäßig zum Musikmachen. Als Proberaum dient zunächst die Tanzschule Sandmann an der Münsterstraße. Der große Saal wird zur „Yellow Submarine“. Die unvergesslichen Songs der Beatles füllen das Repertoire. „Obwohl wir damals noch keine originalen Instrumente hatten und musikalisch unreifer waren als heute, sind wir doch wahnsinnig authentisch gewesen und hatten einen richtig geilen Beatles-Sound“, erinnert sich der Bandleader.
Ihr erstes Konzert geben „The Quarrymen Beatles“, benannt nach der Quarry Bank High School, welche John Lennon, Paul McCartney und George Harrison zusammen besuchten, im „Blue“ in Vechta, heute bekannt unter dem Namen „Flotte“. „Wir dachten, lieber eine kleine Location, die richtig voll aussieht, falls nicht so viele Leute kommen. Doch die Kneipe platzte aus allen Nähten und die Stimmung war einmalig und frenetisch“, berichtet Christian Josef. Es folgen unzählige Auftritte, darunter Highlights wie das Flutlichtrennen vor rund 10.000 Zuschauern im Reiterwaldstadion.

Unvergessen: Das spektakuläre Gastspiel auf dem Dach der OV

Unvergessen auch das spektakuläre Gastspiel auf dem Dach der Oldenburgischen Volkszeitung, das an den letzten Aufritt der Beatles im Januar 1969 in London erinnert. Dass die verrückte Aktion nicht angemeldet ist und ein Fest in der Innenstadt konterkariert, betrachten Protagonisten rückblickend mit Humor.
Im Laufe der Jahre hat sich die Besetzung mehrfach geändert. Thomas Harwarth spielt in- zwischen bei der Cover-Band „ReCartney“ aus Damme. Unterdessen sind sich Christian Josef und Jo Maximilian, die heute in Schwelm beziehungsweise Greven wohnen, auf und neben der Bühne treu geblieben. Komplettiert wird die aktuelle Formartion durch Hannes Greinke sowie immer wieder neue Gastmusiker aus dem In- und Ausland.
„In erster Linie versuchen wir unsere Konzerte mit deutscher Besetzung zu spielen. Wir haben aber auch Zugriff auf viele international spielende Beatles- Musiker und helfen uns unter- einander aus. Wir sind eben eine große Familie“, berichten die Bandmitglieder, die mit ihren detailreichen Frisuren und immer wieder wechselnden Kostümen auch in optischer Hinsicht den berühmten „Fab Four“ nahekommen. Der vorläufige Höhepunkt der Bandgeschichte ist die aktuelle Auszeichnung, die bereits zum 39. Mal vom Deutschen Rock Pop Musikerverband, der Deutschen Popstiftung und der Stadt Siegen vergeben wird. Hauptkriterium ist dabei der künstlerische Anspruch. Durch die Einteilung in insgesamt 127 Kategorien wollen die Initiatoren erreichen, dass sich möglichst viele Musikgruppen und Einzelkünstler mit ihrer eigenen Stilistik wiederfinden.
Beflügelt von der Anerkennung der Fachjury wollen „The Quarrymen Beatles“ in diesem Jahr wieder durchstarten und häufiger auftreten, sofern es die Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt. Dabei könnte es auch eine Rückkehr an ihre Geburtsstätte geben. Die Fühler haben Ringo, John Co. bereits ausgestreckt: „Wir sind im Dialog mit einigen Veranstaltern aus der größeren Umgebung von Vechta.“